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Buch-Versuch

Und siehe, der Höllenschlund tat sich auf, und ein Dämon stieg herauf
aus den tiefsten Tiefen des Pandämonium, und seine schuppige Haut schimmerte,
denn sie war voll Schleim, und seine Augen quollen heraus,
und er zeigte sein Maul, in dem Zähne Dolchen gleich zu erblicken waren, und er sprach mit einer kehligen Stimme, die das Blut in den Adern gefrieren ließ:
 

„GIBT ES DIESE SCHUHE AUCH IN EINER ANDEREN FARBE ?“´

 

KAPITEL I

(KUNDEN)

 
 

Früher machte mir meine Arbeit als Verkäufer Spaß. Diesen Beruf habe ich gelernt, weil ich schon als Kind sehr kommunikationsfreudig war, und es mir keine Mühe machte, etwas zu verkaufen.

So habe ich zum Beispiel im zarten Alter von fünf Jahren Steine, die ich in unserem Garten gesammelt hatte, an alle Nachbarn verkauft, indem ich ihnen weiß gemacht habe, dass diese in ihrem Garten doch viel schöner aussähen, weil sie ja auch farblich besser passen würden, als in unserem.

Sollte das als Argument nicht gereicht haben, brauchte ich nur ein bisschen zu weinen und dann ...!  Oder könnten Sie einem süßen, weinenden fünfjährigem etwas abschlagen?

Außerdem sind 3,50 DM (1,79 Euro) ja auch nicht zuviel verlangt für einen qualitativ hochwertigen Kieselstein mittlerer Größe, der zudem auch noch ein äußerst interessantes Farbspektrum aufweist.

Erfolgreiches Verkaufen hat nicht wenig mit Sich- selbst- verkaufen zu tun; eine Kunst, die ich in hohem Maße beherrsche, was sich vor allem während meiner Pubertät herauskristallisierte.

Obwohl ich, wie wohl jeder Jugendliche, unter starken Stimmungsschwankungen litt, konnte ich meinen Eltern während dieser ganzen Phase glaubhaft machen, dass ich mich hervorragend fühle.

O.k., wegen meiner permanent guten Laune glaubten sie für eine kleine Weile, ich würde Drogen nehmen, aber auf Grund meiner Redekunst konnte ich sie von diesem Gedanken schnell abbringen, denn als aufgeklärter Jugendlicher war ich mir doch durchaus darüber im klaren, warum ich solche Stimmungsschwankungen hatte. Schließlich ist dies nichts als ein biologischer Vorgang, infolge dessen sich in meinem Gehirn neue Synapsen bildeten, was auch der Grund für die zeitweilige Verwirrung einiger meiner Altersgenossen war. Ich machte meinen Eltern verständlich, dass man, wenn man nur diese Vorgänge verstehen würde, den Auswirkungen entgegen wirken könne.

Eigentlich habe ich nur gute Laune gemimt, damit meine Eltern mich in Ruhe lassen.

Auch in der Schule konnten  mir meine Fähigkeiten das ein oder andere Mal weiter helfen, z.B. wenn es darum ging, gute Ausreden parat zu haben, wenn ich mal wieder aus Versehen meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte.

Meistens habe ich den Lehrern dann in einem Gespräch unter vier Augen meine Pubertätsprobleme mitgeteilt, und dass meine Eltern mich nicht verstehen würden, und diese mir sogar unterstellten, ich würde Drogen nehmen. Und dies alles würde mich so sehr belasten, und deswegen hätte ich den Kopf nicht frei, und daraus resultierend meine Hausaufgaben total vergessen.

Irgendwann ist mir natürlich mal so ein überintelligenter Pauker auf die Schliche gekommen, und meinte daraufhin: „So wie Du lügen und reden kannst, gibt es nur zwei Möglichkeiten für Dich; Politiker in einer Regierungspartei oder Verkäufer!“

Tja, da ich mich für Politik damals nicht sonderlich interessierte, war meine berufliche Zukunft entschieden. Nach meiner überstandenen Pubertät, habe ich für einen ausreichenden Schulabschluss gesorgt, und schon die 79. Bewerbung brachte den gewünschten Erfolg: eine Ausbildungsstelle als Kaufmann im Einzelhandel.

Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass dieser Beruf wirklich für mich geeignet ist, denn es begann richtig Spaß zu machen.

Ich bin jeden Morgen aufgestanden, habe mich gewissenhaft auf den Arbeitstag vorbereitet und mich dann frohen Mutes auf den Weg gemacht, brachte doch jeder Tag neue Erlebnisse, Erfahrungen und ließ mich mit netten Menschen (Kunden) zusammen treffen.

Leute, die sich bereitwillig meinen Erklärungen und Verkaufskünsten hingaben, die sich durch ausgefeilte Verhandlungstaktik von mir zum Kauf einiger für sie sehr wichtiger Dinge verführen ließen, ohne die ihr Leben weniger lebenswert wäre.

Menschen, die mit unentschlossenen Mienen das Geschäft betraten, und es mit einem Lächeln im Gesicht und weniger Geld im Portemonnaie wieder verließen.

Abends konnte ich dann ohne schlechtes Gewissen nach Hause gehen, denn ich wusste, dass ich den Kunden etwas Lebensfreude verkauft hatte, und sie nahmen es dankbar an.

O.k., es gab auch ein oder zwei Ausnahmen, wie z.B. Herrn Petermann, der bevorzugt Damenbadeanzüge in Größe 42 (wir hatten damals noch eine kleine Sportabteilung in dem Schuhhaus, wo ich gelernt habe) kaufte...und zwar für sich. Solange man ihn im Geschäft nicht ansprach, war alles in Ordnung. Ein beliebter Scherz unter Kollegen war allerdings, den Lehrling im ersten Jahr hinzuschicken, denn wenn man Herrn Petermann ansprach, während er sich besagte Badeanzüge anschaute, dann rannte dieser kreidebleich und völlig verstört aus dem Geschäft.

Oder aber Frau  IIIH- BÄH (keiner kennt ihren richtigen Namen), die man schon riechen konnte, wenn sie die Treppe heraufkam. Die Haare sahen aus, als ob sie schon seit dem Bau der Berliner Mauer nicht mehr gewaschen worden wären. Ca. 30cm türmte sich ein Nest aus verfilzten Haaren auf Ihrem Kopf.

Im übrigen waren es aber normale Leute, die unser Geschäft besuchten. Wie gesagt, es machte richtig Spaß.

Im Laufe der letzten Jahre ist jedoch einiges anders geworden. Der Spaß ist mir gründlich vergangen, denn im Zuge von Stellenabbau, Steuernaufbau, Rezession und zunehmend schlechtem Wetter hat sich auch das Verhalten der Kunden drastisch verändert.

Neue Erlebnisse und Erfahrungen gibt es nach wie vor, jedoch trifft man heute nicht auf Kunden, sondern auf nörgelnde, schlecht gelaunte, geizige, besserwissende, schweißfüßige MORLOCKS!

Nach einem anstrengenden, nervenaufreibenden Arbeitstag komme ich nach Hause und denke: So, jetzt hast Du alles erlebt, schlimmer wird‘s nicht.

Stimmt, es wird nicht schlimmer; es wird jeden Tag unerträglicher.

Was soll denn das, wenn so ein dickbäuchiger, penetrant stinkender Ober-Heinzel sich von mir 45 Minuten lang die tollsten Schuhe zeigen und anprobieren lässt (gefallen hat ihm natürlich keines der ca.127 verschiedenen Modelle), um mir dann zu sagen: „Ja...äh... kaufen wollte ich ja eigentlich nichts, ich wollte mir nur mal`n Überblick verschaffen!“?

„Warum haben Sie mir das denn nicht gleich gesagt?“ fragte ich ihn so freundlich es mir zu diesem Zeitpunkt noch möglich war.

„Weil Sie sich dann nicht so eine Mühe gegeben hätten!“ bekam ich zur Antwort.

Ruhig! Gaaaanz ruhig. Was hast Du beim Verkäufertraining gelernt? Immer ruhig bleiben !!!

JA WIE DENN?

Ich habe dem Kunden klar gemacht, dass ich mir dann natürlich noch mehr Mühe gegeben hätte, denn schließlich will ich ja unsere Ware verkaufen, und einen Kunden, der eigentlich keine Kaufabsicht hat, umzustimmen, ist doch schließlich ein großer Anreiz für einen jungen, ehrgeizigen Verkäufer wie mich, denn verkaufen fängt da an, wo der Kunde "Nein" sagt.

Nach einigen gemurmelten Entschuldigungen hat dieser XXXXX dann endlich den Laden verlassen.

Nachdem ich mich bei der anschließenden Aufräumaktion abreagiert hatte, war ich bereit für mein nächstes Opfer. Als ich jedoch die Kundin sah, die da in den Laden walzte, war mir klar, dass ich das Opfer sein würde.

Frau Keller ist etwa 1,55m groß, genauso breit und mindestens so schwer - allerdings ohne das Komma hinter der 1, und mit der Maßeinheit kg statt m hinter der 55.

Ihr grob geschätztes Alter liegt irgendwo zwischen 56 und uralt. Gekleidet ist sie mit der neuesten Mode- d.h. wenn jetzt 1987 wäre, wäre sie neu (die Mode; nicht Frau Keller).

 Ein Blick auf ihre Füße verrät; Größe 40 und superdick. Tragen müsste sie Gesundheitsschuhe mit Fußbett und allem drum und dran, damit ihre geschundene Fußmuskulatur ihr immenses Gewicht auch aushält. Frau Keller aber ist der Meinung immer schon Größe 38,5 gehabt zu haben, und außerdem schmale Füße ihr eigen zu nennen (Gelächter).

Im Prinzip ist es mir ja auch scheißegal, ob solche Tanten, die sich meistens auch noch für unheimlich attraktiv halten - in diesem Fall liegt die Betonung jedoch eindeutig auf unheimlich - sich mit zu kleinen und schmalen Schuhen die Füße schänden.

Allerdings machen die mir mit ihren Laufwarzen (es widerstrebt mir, hier von Füßen zu sprechen) alle schönen Pumps und modischen Schuhe kaputt, so dass wir diese dann nur reduziert verkaufen können( wenn überhaupt).
„Herr Gerber, wat könn`n Se mich denn heute schönet zeigen?“ krächzte sie mir entgegen, während sie sich auf zwei Stühle (Sie wissen schon;1,55) fallen ließ.

Dabei entstand ein Luftzug, der mir ein Duftgemisch aus Eau de Cologne, Zigarettenqualm, Knoblauch, Schweiß und billigem Cognac entgegen wehte.

Zum Glück hatte ich an diesem Tag die Nase leicht zusitzen, so dass ich nur fast ohnmächtig wurde. „Mir tun de Füße wida so weh, weiß garnich woran dat liecht.“


„Frau Keller, das liegt daran, dass sie sich mal wieder bei der Konkurrenz  mit zu engen Schuhen eingedeckt haben“ entgegnete ich freundlich. „ Sie wissen doch, was Sie tragen müssten.“

Mein letzter Versuch ihr  die richtigen Schuhe zu verkaufen, ehrlich!!!

Doch darauf bekam ich keine Antwort, sondern musste mit ansehen, wie sie, allen Naturgesetzen zum Trotz, von ihrem Stuhl, bzw. Stühlen in die Höhe schoss, auf das  Regal mit den hochhackigen, superschmalen Schuhen in Größe 38,5 zurannte, sich zielsicher das teuerste Modell herausfischte, und es, ehe ich überhaupt zu einer Regung fähig war, mit ihren dicken Stampfern malträtierte.

Es kam, wie es kommen musste. „Sagen Se mal Herr Gerber, fällt dieser Schuh zu klein aus? Ich hab` doch immer Größe 38,5. Wieso passt der denn nich`?“

 


„WEIL DU DUSSELIGE KUH NICHT RAFFEN WILLST, DASS DU MIT DEINEN SPECKFÜSSEN MINDESTENS 40 GEBRAUCHST UND DIR DER SCHUH ZU KLEIN IST UND KAPUTT IST DER  JETZT AUCH!!! JETZT MUSS DER WIEDER FÜR`N APPEL UND`N EI VERTICKT WERDEN!

VERDAMMTE SCHEISSE!!!“


Ich wunderte mich, warum Frau Keller so einen erschrockenen Gesichtsausdruck hatte, als mir die plötzliche Stille im Laden auffiel.

Ich habe doch nicht etwa....oder doch?

Als sie kurz darauf weinend und keifend das Geschäft verließ, war ich mir sicher. Ich habe ganz aus Versehen meine Gedanken  laut ausgesprochen. Ups!!! Aber was regt die sich denn gleich so auf? Ich habe auch unter der schlechten Stimmung in Deutschland zu leiden, muss um meinen Arbeitsplatz fürchten. Habe ich deswegen etwa schlechte Laune, oder nörgel ‘rum?

Schließlich tue ich doch nur mein Bestes, denn Verkäufer ist ein Traumberuf, der wirklich Spaß macht, ehrlich !!!

 

30.1.08 00:03
 


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