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Buch- Versuch Teil 2

Kapitel 2
 
(Andere Kunden)
 
 

Nachdem mich mein Chef, aus mir völlig unbegreiflichen Gründen, rausgeschmissen hatte, folgte eine kurze Phase der Arbeitslosigkeit.

Um nicht zuhause zu verblöden, und um ein paar Mark nebenher zu verdienen, nahm ich einen Job in einer Kneipe an. Was sollte da auch schon großartiges schief gehen? Schließlich ziehen sich alle Leute in ihre Stammkneipen zurück, um von der Arbeit, den Problemen und/oder der Familie davon zu laufen.

Kurzum, jeder war hier, um zu vergessen. Ich hegte die Hoffnung, hier von MORLOCKS verschont zu bleiben, aber der Arm des Bösen, des Fürsten der Hölle, aus der die Verbraucher von heute zu stammen scheinen, hatte auch hier sein Wirken begonnen.

Hier, in den Oasen der Freude und Heiterkeit, wo man in kurzer Zeit neue Freunde gewinnen kann, indem man so etwas Simples tut, wie ihnen ein paar Bier auszugeben, hier an dem Ort, von dem ich dachte, dass es - wenn überhaupt - nur hier normale Menschen geben kann, auch hier umgab mich die Aura des Bösen.

Anfangs hat man nur wenig davon gemerkt. Ein paar einzelne Gäste nörgelten darüber, dass das Bier schmecken würde, als sei der “Nachtwächter“ noch drin, oder die Brezeln seien zu salzig oder die Suppe nicht salzig genug,alles Dinge, die in jeder guten Kneipe einmal vorkommen können, also nichts ungewöhnliches.

Doch schon bald änderten sich einige Dinge kaum merklich. Es begann damit, dass eine Kundin (Typ Ewig-Studentin) bei mir einen Weinbrand-Cola bestellte, aber darauf bestand, dass es Cola- Light sein solle.

 „Bitte was?“ fragte ich leicht irritiert.

 „Mit Cola-Light, bitte. Ich bin auf Diät, und da sind dann nicht so viele Kalorien drin!

Was ist dann bitte schön im Weinbrand? Salzstreuer etwa, oder Kaugummi ohne Zucker, oder was?


 

„Aha...“ antwortete ich, und machte ihr das gewünschte Getränk

Kurze Zeit später stand besagte Kundin wieder bei mir an der Theke, und ihr Gesichtsausdruck bedeutete nur eines: Ärger!!!

„Was zum Teufel soll das denn für ein Weinbrand-Cola sein? Der schmeckt ja wie eingeschlafene Füße!“ polterte sie los. „Ich will sofort einen ordentlichen haben!“

„Vielleicht liegt`s ja an der Cola-Light? Ich meine, man weiß ja, dass mit den Kalorien auch der Geschmack entfernt wurde!“

 „UNSINN!!! Das liegt daran, dass ihr in Eurer Kaschemme billigen Fusel, anstatt guten Weinbrand in die Gläser tut!“

Pah! MARIACRON soll nicht gut sein? Pass auf, Du Vettel, pass auf!!!

„O.K., ich will hier keinen Ärger wegen so was. Setz Dich an Deinen Tisch, ich bring Dir einen neuen.“

Also machte ich ihr einen neuen Weinbrand-Cola, und zwar diesmal mit wirklich billigem Fusel- den ich zusätzlich noch mit etwas Wasser verdünnte- mit echter Cola, und damit sie sich ihre Diät vollends in die Haare schmieren konnte, tat ich auch noch ein Stück Würfelzucker ins Glas.

 Dieses Gebräu brachte ich ihr dann.

 „Geht auf`s Haus.“ sagte ich zuckersüß.

 „Das ist ja wohl auch das Mindeste!“ blaffte sie zurück.

 Ich entfernte mich von ihrem Tisch, hielt mich aber in der Nähe auf, um ihre Reaktion beobachten zu können.

Sie setzte sich das Glas an die Lippen, trank einen kleinen Schluck, verzog nur kurz den Mund, um dann zu ihren Bekannten am Tisch zu sagen, man müsse sich nur beschweren, dann bekomme man auch, was man wolle.

Jetzt sei das Getränk nach ihren Vorstellungen.

Prima, zufriedene Gäste kommen wieder.

Also habe ich kurz den Rest der Thekencrew informiert, wie diese Kundin gerne ihre Getränke haben möchte, und mich dann wieder an meine Arbeit gemacht.

Zurück hinter der Theke, der nächste Schock: KLAUS!!!

Klaus ist wohl der unentschlossenste aller Kunden überhaupt.

Das fängt schon damit an, dass er sich nicht entscheiden kann, auf welchem Hocker er denn jetzt wohl an der Theke sitzen möchte.

Auf dem einen habe er eine bessere Aussicht auf die Chicken- als wenn er je eine abkriegen würde - auf dem anderen säße er näher am Klo, und auf dem dritten könne er sich besser mit mir unterhalten (Gott bewahre).

Schließlich hat er sich immer auf den vierten Hocker niedergelassen, der sich irgendwo mittig seiner Ansprüche befand.

 „Wie immer, Klaus?“ fragte ich, nur so aus Neugier.

 „Mmmh, weiß nicht. Was`n das da oben links?“

„Southern- Comfort“

„Schmeckt das?“

„Geschmacksache...“

 „Und das?“ „Jim Beam, daneben BACARDI, JACK DANIELS; CHIVAS REGAL......

......................(10 Minuten später).......

..........und wenn Du das mit O-Saft mixt, wird es grün.“

Puh!

„Ach, mach mir einfach ein Bier“ hörte ich ihn dann endlich sagen.

 „Also, wie immer, Klaus.“

 Ach ja, der Klaus. Eigentlich ein ganz netter, wenn er sein Bier hat, und die Schnauze hält.

 „Marc, schnell, guck mal die Kleine da!“

 Mist, zu früh gefreut! VERDAMMT!

„Oder die, mit den kurzen braunen Haaren...boh...oder die da! Kennst du die? Die würde ich nicht von der Bettkante schubsen. Obwohl...ach nee...Ey, guck mal die da! Die ist auch süß! Pass mal grad` auf mein Bier auf, ich muss mal auf`s Klo!“

 Der aufmerksame Beobachter würde bemerken, dass Klaus sich nicht mal auf dem Klo entscheiden kann, ob er lieber im Stehen, oder im Sitzen pinkelt. Hauptsache er entschließt sich dazu, sich hinterher die Hände zu Waschen. Als er wiederkam, machte ich schnell den Schnüffeltest über die Theke!

Boh, Klaus, Du Sau!

 

So ging es tagein, tagaus. Und es wurde, wie gesagt auch hier immer schlimmer.

Da waren dann zum Beispiel die Leute, die nicht einfach nur ein Essen bestellen können. Nein, man muss es ja unnötig kompliziert machen.

„Eine Pizza, bitte, und wenn`s geht, den Rand knusprig, innen etwas lockerer, dann bitte mit wenig Schinken, dafür mehr Ananas, mit Pilzen, aber nicht Champignons, sondern Pfifferlinge, dazu Mozarella, als Untergrund nicht soviel Sauce, die Salami bitte nicht so fettig, damit es nicht so schmiert, und oben drauf bitte doppelt Käse! Ach ja, und wenn sie bitte keinen Knoblauch dran tun, und bitte die Zwiebeln nicht als Ringe, sondern gewürfelt? Danke! Oh, und bevor ich`s vergesse, ich hätte gerne noch ein Krefelder, aber anstatt Altbier hätte ich gerne alkoholfreies Pils, und mir schmeckt es am besten, wenn das Pils zuerst ins Glas kommt, und dann die Cola. Tja, und meine Frau möchte einen leichten Salat mit leckerem Dressing, dazu fettfreies Fleisch, am besten Pute, und zum Trinken ein Mineralwasser, kein stilles, aber auch nicht soviel Kohlensäure!“

Sonst noch was?

„Kommt sofort!“

Äh, wie war das jetzt? Alkoholfreie Pizza mit gewürfeltem Salatdressing, aber ohne Käse im Krefelder? Oder war es Putensalami mit Knoblauchsauce?

Irgendwas muss ich an der Bestellung wohl falsch verstanden haben, denn der Gast schien  nicht wirklich zufrieden zu sein. Die Essensflecken an der Wand ließen auf jeden Fall diesen Eindruck entstehen.

Nicht mal Trinkgeld habe ich von ihm bekommen. Man wird ja wohl noch mal einen Fehler machen dürfen.

 

 Zum Glück war mein Chef an diesem Abend nicht da.

30.1.08 00:03
 


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